Berichte

Außergewöhnliches „Heimat“-Projekt in Nürnberg

29.10.2010

Unser Ersatzneubau in der Nürnberger Poppelstraße 15 (Stadtteil Johannis) ermöglicht ein außergewöhnliches „Heimat“-Projekt. Anstelle des nicht mehr sanierungswürdigen Mietwohngebäudes aus der frühen Wirtschaftswunderzeit haben wir eine Anlage errichtet aus 21 barrierearmen Mietwohnungen mit zwei und drei Zimmern, einer Wohngemeinschaft für neun Personen (plus Gästezimmer), 40 Tiefgaragenstellplätzen, elf ebenerdigen Pkw-Stellplätzen und 44 Fahrradstellplätzen.

Das über 280 m² große Erdgeschoss dient als Nürnbergs erste Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Menschen – betrieben von der Caritas-Sozialstation und Tagespflege Nürnberg-Nord. Und eine weitere Besonderheit: Angeschlossen ist eine Akutpflegewohnung, in der der Mieter auf eine ständige Betreuung zurückgreifen kann, was es in dieser Weise zuvor in Nordbayern noch nicht gab. Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, hat die Wohnanlage am 28. Oktober 2010, dem 62 Gründungstag der Joseph-Stiftung, im Beisein von rund 240 Gästen gesegnet und den Erstbeziehern von uns gestiftete, kunstvolle Zimmerkreuze geschenkt.

Aus familiärer Betroffenheit ist Stiftungs-Vorstand Dr. Klemens Deinzer überzeugt, dass bei Demenzerkrankung die beste Alternative zu einem Leben zu Hause das in einer Wohngemeinschaft ist. Bei den Nürnberger Einweihungsfeierlichkeiten berichtete er einem staunenden Publikum, dass derzeit in Deutschland rund 1,3 Mio. Menschen an Demenz erkrankt seien, dass deren Zahl sich bis 2050 wohl verdoppeln werde und dass in Bayern gerade einmal 800 Plätze in Wohngemeinschaften vorhanden seien. Und weiter: von den etwa 40 Mio. Wohnungen in Deutschland seien nur 1 % barrierefrei und davon wiederum nur ein Bruchteil mit einem zusätzlichen Versorgungskonzept verbunden.

„All das“, stellte Dr. Deinzer fest, sind neue Herausforderungen für unsere Gesellschaft. Als kirchliche Einrichtungen können wir nur beispielhaft ‚Licht auf dem Berg‘ sein. Deshalb unser Appell an die Politik (…): Hände weg vom Rasenmäher über den sozialen Bereich und dem der Wohnraumförderung.“

In Würde zu leben und zu sterben, dafür müssten wir als Christen alle unsere Kräfte aufbringen, meinte Erzbischof Dr. Schick. Selbstbestimmung sei das oberste Gebot der Menschenwürde. Fantasievoll müssten wir die Älteren in alles einbeziehen, dann könnten wir auf deren Leistung weiter aufbauen und ihnen danken, indem wir ihnen die Fülle des späten Lebens erfahren ließen.

Caritas-Geschäftsführerin Barbara Klug verriet, dass es sogar eine Warteliste für die Plätze in der Wohngemeinschaft gebe. Das Prinzip „ambulant vor stationär“ entspreche dem Wunsch der Betroffenen. Sie verwies auch auf die drei Betreuungsgruppen für Senioren im „Treffpunkt Kirschgarten“ in nächster Nachbarschaft, wofür die Joseph-Stiftung schon vor zwei Jahren eine Parterrewohnung umgebaut hat. Barbara Klug dankte allen, die sich mit Rat und Tat sowie finanziell für die gemeinsamen Ziele einsetzen. Namentlich nannte sie die Dr.-Theo-Schöller-Schule als Kooperationspartner und das bayerische Sozialministerium, das einen Zuschuss von 40.000 € gab.

Sabrina Dellith, Leiterin des Amtes für Senioren und Generationenfragen der Stadt Nürnberg, und Richard Bartsch, Präsident des Bezirkstags von Mittelfranken, versicherten ihre Solidarität und überreichten Einzugsgeschenke. Architekt Lothar Greger hatte einen Kuchen in Form eines Schlüssels mitgebracht.