Berichte

Ein Ausnahmeprojekt im ländlichen Raum

12.12.2012

Caritas-Stützpunkt und Gemeinschaftsraum im Teuschnitzer „In der Heimat wohnen“-Modell eröffnet

Quartiersmanagerin Isabella Ettlich berichtete, was im Modellprojekt schon alles geschieht.

Als jetzt in Teuschnitz der erste Bauabschnitt des Modells „In der Heimat wohnen“ eingeweiht wurde, durfte eine Episode nicht unerwähnt bleiben: Beinahe hätte man dabei das Rathaus eingerissen. Denn nicht ahnend, dass das umzubauende Haus eine gemeinsame Wand mit dem Bürgermeistersitz hat, landeten die Bauarbeiter bei Abbrucharbeiten direkt im Meldeamt. Nicht ungefährlich: Fielen doch herausgeschlagene Mauerbrocken auf den Schreibtisch einer Mitarbeiterin.

Doch auch diese unliebsame Überraschung wurde gemeistert, so dass Dekan Michael Dotzauer, der Geistliche Beirat des Kreis-Caritasverbandes, und Pfarrer Joachim Lindner den Caritas-Stützpunkt und Gemeinschaftsraum am 31. Oktober segnen konnten. Die acht barrierefreien Wohnungen, die ebenfalls zum Modell gehören, sollen im Mai fertig sein.

Jetzt einziehen konnte Quartiersmanagerin Isabella Ettlich. Sie bietet Beratung an und organisiert ehrenamtliche Unterstützung. So ist, wie sie berichtete, bereits seit einem Jahr ein Fahrdienst aktiv, bei dem 13 Freiwillige Bürger, die über kein Auto verfügen, zu Arztterminen, Behörden oder Besorgungen bringen. Ein Lebensmittelservice liefert Waren des täglichen Bedarfs ins Haus, und seit April gehen Seniorenbegleiter mit alten Leuten auf Spaziergänge oder zum Friedhof. Im neuen Gemeinschaftsraum starten konnte jetzt ein offener Mittagstisch, ebenfalls ehrenamtlich betrieben. Freizeitangebote werden folgen. Für die ambulante Pflege – auch der künftigen Hausbewohner – ist derweil das Rote Kreuz zuständig.

Eigens aus Berlin gekommen war Dr. Frank Heidrich vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Das bürgerschaftliche Engagement wertete er als die Besonderheit des „In der Heimat wohnen“-Hauses in Teuschnitz. Das Ministerium hat daher das Modellvorhaben finanziell gefördert.

Weitere Zuschussgeber sind die Oberfrankenstiftung und die Regierung von Oberfranken. Als deren Vertreterin würdigte Marion Resch-Heckel das Teuschnitzer Wohnmodell als Ausnahmeprojekt. Der Bedarf an bezahlbarem, barrierefreiem Wohnraum werde steigen. Im ländlichen Raum seien aber bei gleichen Baukosten nur niedrigere Mieten zu erzielen. Resch-Heckel forderte daher eine finanzielle Förderung ähnlicher Projekte wie in Teuschnitz. Über entsprechende Programme müsse die Politik nachdenken.

Eine weitere Förderung, damit die Quartiersmanagerin auf Dauer weiterarbeiten könne, wünschte sich Bürgermeisterin Gabriele Weber. Deren hartnäckigen Einsatz für das Projekt strich für den Bauherrn, den Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, dessen stellvertretender Direktor Helmar Fexer heraus. Eine Spende der Sparkassenstiftung Ludwigstadt über 5000 Euro überreichte Landrat Oswald Marr.

Klaus-Stefan Krieger