Berichte

Einmalig: Integration von psychisch beeinträchtigten Mitgliedern der Hausgemeinschaft

17.07.2009

Hersbruck im Landkreis Nürnberger Land ist Standort des Modells „In der Heimat wohnen – ein Leben lang! Sicher und selbstbestimmt“. Mit Unterstützung der Elfriede und Sebastian Fackelmann-Stiftung hat die Erzdiözese Bamberg direkt neben der katholischen Kirche ein nach dem Haushaltsartikelhersteller Fackelmann benanntes Mietwohngebäude errichtet. Die Joseph-Stiftung betreute die Baumaßnahme und kümmert sich jetzt auch um die Hausverwaltung. Für die Umsetzung des Sozialknzeptes sorgt als Betriebsträger der Caritasverband Nürnberger Land.

„Angebote zwischen der ambulanten Versorgung zu Hause und dem Alten- und Pflegeheim sind die Zukunft“, sagte Mittelfrankens Bezirkstagspräsident Richard Bartsch bei der Einweihung. Das Sebastian-Fackelmann-Haus ist aber noch mehr. Es bietet nicht nur Senioren, sondern auch Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung die Möglichkeit, ein Leben lang in der eigenen Wohnung zu bleiben. Daher ist die jüngste Bewohnerin acht, die älteste 88 Jahre alt.

Die Eigenständigkeit der Mieter strich Angela Henke, die Vorsitzende des Caritasverbandes Nürnberger Land, mehrfach heraus: „Das Haus ist kein Heim, aber Begleitung und Pflege sind gesichert.“ Der Caritasverband biete seine Dienste an; sie zu nutzen, entscheide der Mieter. So könnten die Bewohner sich selbst versorgen oder Essen aus dem Don-Bosco-Haus kommen lassen oder gemeinsam kochen. Denn als Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten steht das Hauscafé zur Verfügung. Auch bei dessen Gestaltung durften die Bewohner mitreden, berichtete Angela henke. Das Hauscafé ist aber auch die Verbindung ins Wohnviertel. Ehrenamtliche aus der Pfarrei wollen Begegnungen mit den Nachbarn organisieren, kündigte die Caritas-Vorsitzende an.

Auch sonst sind die Bewohner nicht auf sich allein gestellt. Der Sozialpädagoge Heiner Sternemann ist als Ansprechpartner gerade für die psychisch beeinträchtigten Mitglieder der Hausgemeinschaft da. Die Elfriede und Sebastian Fackelmann-Stiftung finanziert die Sozialpädagogen-Stelle. Darüber Hinaus hat sie sich gemeinsam mit der Bayerischen Landesstiftung an den Baukosten beteiligt. „Dadurch sind Mieten möglich, die sich auch finanziell nicht so gut gestellte Menschen leisten können“, benannte Angela Henke den Nutzen dieser Förderung. Landrat wie Bürgermeister lobten daher den aktuellen Firmenchef Norbert Fackelmann als Vorbild eines Unternehmers mit sozialer Verantwortung.

Die einzigartige Einrichtung, die – was es sonst in dieser Form nirgends gibt – Menschen mit psychischer Erkrankung integriert, hat auch die Wissenschaft auf den Plan gerufen. Das Institut für Psychogerontologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg will hier die Kriterien gelingenden Miteinanders in einem integrativen Wohnprojekt erforschen. Institutsleiter Prof. Dr. Frieder Lang sagte, das Sebastian-Fackelmann-Haus erfülle einen Menschheitstraum: miteinander zu leben und dabei auch Probleme, Konflikte und schwere Zeiten miteinander zu tragen.