Berichte

Gelungene Modellmaßnahme: „Wohnen in allen Lebensphasen“ in Gaustadt

30.10.2009

Volles Haus herrschte bei der Einweihungsfeier am 28. Oktober 2009, am 61. Geburtstag der Joseph-Stiftung.

Als eines der ersten Unternehmen im Freistaat hat die Joseph-Stiftung die Vorgaben aus der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern für ein "Wohnen in allen Lebensphasen" (WAL) umgesetzt. Seit Ende April ist unsere entsprechende Baumaßnahme in Bamberg-Gaustadt fertig gestellt. Die ersten der insgesamt 29 barrierefreien Mietwohnungen wurden sogar schon früher bezogen. Inzwischen läuft es dort - wie man so schön sagt - richtig rund. Da uns aber an Gottes Segen besonders gelegen ist, holten wir am Mittwoch, 28. Oktober 2009, am 61. Geburtstag der Joseph-Stiftung, eine offizielle Einweihungsfeier nach. 

Stiftungs-Vorstand Reinhard Zingler zitierte aus einer Stadtteilanalyse des Bamberger Basis-Instituts. Demnach bezweifelten alle befragten Experten, mit der bisher gebräuchlichen Angebotspalette an Wohnmöglichkeiten der älteren Generation gerecht werden zu können. Es galt also, barrierefreie sowie energieeffiziente und bezahlbare Wohnungen zu schaffen. Darüber sollten die Bewohner im Stadtteil (weiterhin) integriert sein und bei Bedarf auf professionelle Betreuung zurückgreifen können. Jung und Alt sowie Menschen mit und ohne Behinderung sollen hier zusammenleben.

Vorstand Zingler dankte vor allem dem Freistaat, der die rund 4,0 Mio. € teure Investition für die Mietwohnungen sowie ein Haus mit Gemeinschaftsraum und Caritas-Stützpunkt mit einem Darlehen von 956.000 € unterstützte. Er nutzte aber auch die Gelegenheit, einerseits die anwesenden Vertreter der Obersten Baubehörde und der Regierung von Oberfranken darauf hinzuweisen, „dass ambitionierte Projekte nur schwer im üblichen Förderkanon unterzubringen sind und eine einkommensorientierte Förderung mit fünf statt drei Stufen außerhalb Münchens unpraktikabel ist“. Andererseits rief er insbesondere die Repräsentanten der Stadt Bamberg auf, sich mehr dafür einzusetzen, dass preisgünstiger Wohnraum für Familien und Senioren zur Verfügung steht.

Großes Lob zollte Reinhard Zingler der Caritas. Als Partner der Joseph-Stiftung habe sie sich bewusst gegen die üblichen Wohnkonzepte mit Betreuungspauschale und für eine neuen Weg im Rahmen des gemeinsam entwickelten Modells „In der Heimat wohnen – ein Leben lang“ entschieden. Gerade diese effektive Zusammenarbeit habe das Vorhaben gelingen lassen.

Von großer Bedeutung ist ferner, dass die Bewohner der WAL-Anlage in die örtliche Gemeinschaft eingebunden sind. Hier leisten vor allem die Kirchengemeinden und der Bürgerverein Gaustadt einen wertvollen Beitrag.

Barrierefrei und energieeffizient

Seit 1830 fungiere die Oberste Baubehörde, so betonte deren Leiter Josef Poxleitner, als „Kompetenzzentrum für das Planen und Bauen in Bayern“. Innovationen und soziales Engagement seien immer gefragt. Man müsse denen helfen, die sich auf dem Wohnungsmarkt schwer täten. Besonderes Augenmerk gelte den Senioren, denn die Altersstruktur der Bevölkerung werde sich „noch gewaltig ändern“. So würde bei den zwölf bayerischen WAL-Maßnahmen in erster Linie auf die Barrierefreiheit geachtet. Besonders löblich sei im Falle der Gaustadter Wohnanlage der Joseph-Stiftung, dass sie schon im Genehmigungsverfahren die Vorgaben der damals gültigen EnergieEinsparVerordnung (EnEV) 2007 weit unterschritten habe und dass dies auch noch für die EnEV 2009 zutreffe. Eine Holzpelletheizung schone den Geldbeutel der Bewohner.

Nehme man jetzt noch das Betreuungskonzept „In der Heimat wohnen“ dazu, dann könne man laut Josef Poxleitner von einem rundum gelungenen Projekt sprechen: „Wenn es so funktioniert, wie’s ausschaut, funktioniert es sehr gut.“ Dadurch, dass alles auf eine breite Basis gestellt worden sei, habe die Joseph-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Caritas eine enorme organisatorische Leistung vollbringen müssen.

Nicht nur für Gaustadt, sondern für ganz Bamberg sei die WAL-Maßnahme – von den Bewohnern selbst Haus „miteinander“ genannt – eine Bereicherung, meinte der CSU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Dr. Müller, in Vertretung des Oberbürgermeisters. Er hob hervor, dass sich die alten Menschen hier selbstbestimmt einbringen könnten.

„Sich einbringen“ waren Stichworte für Diözesan-Caritasdirektor Gerhard Öhlein. Er rief Interessierte zur Mithilfe als Ehrenamtliche auf; von der Caritas würden sie qualifiziert und fortgebildet. Die Bewohner des Hauses bekämen nur tatsächlich in Anspruch genommene professionelle pflegerische Leistungen verrechnet. Gewährleistet sei, dass rund um die Uhr jemand erreichbar sei.

 

Direktor Öhlein freute sich, dass bereits beste Kontakte bestünden, weil die meisten WAL-Bewohner aus Gaustadt stammen. Sie dürften ein „wunderbares Ambiente“ genießen, stellte er fest.

Mit Seniorenspielplatz

Von einer „zukunftsweisenden Wohnform“, in der das Mit- und Füreinander der Generationen gelebt werden, sprach die Bürgervereinsvorsitzende und Stadträtin Daniela Reinfelder. Sie erinnerte daran, wie die Heimatzeitung „Fränkischer Tag“ bereits im Juni 2006 titelte: „In Gaustadt liegt das letzte Paradies.“ Nun habe dieses im Umgriff der Stiftungs-Wohnanlage auch noch Bambergs ersten Seniorenspielplatz. Damit die Treffen im Gemeinschaftshaus immer schön gemütlich verlaufen, hatte die Bürgervereinsvorsitzende einen Kaffeeautomaten als Einzugsgeschenk mitgebracht.

Eine große Kaffeetafel mit Kuchen und Torten vom hauswirtschaftlichen Service des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) war an diesem Tag bereits gerichtet. Zuvor ließen allerdings fast alle Mieter ihre Wohnung noch einzeln segnen. Als direkte Nachbarn hatten der katholische Altenheimseelsorger Pfarrer Andreas Röckelein, der evangelische Pfarrer Wilfried Geyer von „St. Matthäus“ und Pfarrer Bogdan Puszkar von der ukrainischen griechisch-katholischen Gemeinde schon ein gemeinsames Segensgebet gesprochen und 29 farbenfrohe Kreuze geweiht – eines für jede Wohnung als Willkommensgruß des Vermieters.