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„Grünes Haus“ in Lauf nun Modellprojekt für das selbstbestimmte Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung.

24.06.2015

Das Mietwohngebäude in der Christof-Treu-Straße 7 in Lauf a. d. Pegnitz ist in der Logofarbe des Wohnmodells „In der Heimat wohnen“ gestrichen. Das „Grüne Haus von Lauf“ soll nun Vorbild werden für den gesamten Regierungsbezirk Mittelfranken – nicht wegen seiner augenfälligen Fassade, sondern wegen seines inhaltlichen Konzepts: Menschen mit und ohne Behinderung leben hier selbstbestimmt in eigenen Wohnungen unter einem Dach.

Der Caritasverband im Landkreis Nürnberger Land e. V. setzt auf die für alle Beteiligten nachgewiesenermaßen vorteilhafte, aber bisher nur sehr selten verwirklichte sogenannte sozialraumorientierte, ambulante Wohn- und Betreuungsform. Im Ansbacher Bezirksrathaus startete jetzt ein entsprechendes mittelfränkisches Modellvorhaben mit insgesamt vier Projekten, wovon das Laufer das bisher konkreteste ist; die anderen gibt es teilweise gerade einmal auf dem Papier.

Ambulant vor stationär!

Caritas-Kreisgeschäftsführer Michael Groß kämpft schon seit Jahren dafür, pflege- oder betreuungsbedürftige Menschen besser in die Gesellschaft zu integrieren. „Ambulant vor stationär!“, verspricht Normalität für alle Bevölkerungsgruppe – echte Inklusion. Das „Grüne Haus von Lauf“ ist ausgewählt worden, dass das Geschehen in und um ihn herum drei Jahre lang wissenschaftlich begleitet und evaluiert wird.

Der 2012 fertiggestellte Neubau gehört dem kirchlichen Wohnungsunternehmen Joseph-Stiftung. Die Caritas leistet von einem eigenen Stützpunkt im Erdgeschoss aus „Quartiersarbeit“, hilft bei der sozialen Vernetzung der Bewohner untereinander und mit ihrem Umfeld. Insgesamt bietet das Gebäude Platz für 15 „Mietparteien“. Sie verfügen jeweils über abgeschlossene Wohnungen. Ein Gemeinschaftsraum ermöglicht Treffen zu unterschiedlichen Anlässen: Vorträge, Kaffeenachmittage, Spieleabende, ... Direkt daneben befinden sich das Büro der Sozialstation und der Schreibtisch der beiden Sozialpädagoginnen Christina Kraft und Franziska Grashey. Sie betreuen die Einrichtung, kümmern sich um die Anliegen der Mieter, vermitteln bei Bedarf hauswirtschaftliche und ambulante Dienste und Kontakte und planen Veranstaltungen.

Selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden

Ein herausragendes Merkmal dieses Wohnprojekts ist, dass nicht nur Menschen verschiedener Generationen, sondern auch Menschen mit und ohne Behinderung begegnen. Außerdem ist das „Grüne Haus von Lauf“ in einem normalen Wohnquartier gelegen und unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht von anderen Mehrfamilienhäusern. Eigenständigkeit und ein individueller Mietvertrag machen den Unterschied zu einem Pflege- und Wohnheim aus. Das Sebastian-Fackelmann-Haus in Hersbruck ist eine weitere ambulante Einrichtung der Caritas im Landkreis Nürnberger Land, das nach den Grundsätzen von „In der Heimat wohnen“ (siehe: www.in-der-heimat.de) betrieben wird. Die Caritas kooperiert dabei unter anderem mit dem Deutschen Down-Syndrom-Infocenter. Ab sofort wird sie ebenso wie die drei anderen „Modellprojektanten“ (Diakonie Neuendettelsau in Ansbach, Lebenshilfe Erlangen/Höchstadt in Herzogenaurach und Lebenshilfe Nürnberg in Nürnberg) von Professorin Dr. Elisabeth Wacker vom Lehrstuhl Diversitätssoziologie der TU München und ihrem Forschungsteam begleitet. Die wissenschaftliche Untersuchung soll offen legen, wie zukunftsfähig Wohnkonzepte dieser Art sind und welche Rahmenbedingungen sie brauchen, um ihrem inklusiven Anspruch gerecht zu werden. Die finanzielle Förderung im Projektzeitraum durch den Bezirk Mittelfranken will Caritaschef Groß in Mehrstunden der Quartiersmanagerin investieren.