Berichte

Wohnen in allen Lebensphasen

06.07.2009

Das von der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern initiierte Modell „Wohnen in allen Lebensphasen“ (WAL) ist dieser Tage im Bamberger Stadtteil Gaustadt Wirklichkeit geworden. Das kirchliche Wohnungsunternehmen Joseph-Stiftung hat neben dem neuen Caritas-Alten- und Pflegeheim am Standort des Vorgängerbaus 29 generationengerechte und energieeffiziente Mietwohnungen errichtet. Jede hätte drei- bis viermal vergeben werden können, so viele Bewerber gab es.

Mit einem innovativen Konzept, das ein eigenständiges und selbstbestimmtes „Wohnen in allen Lebensphasen“ gewährleistet, erhielt die Joseph-Stiftung den Zuschlag; die Oberste Baubehörde wählte insgesamt nur zwölf beispielhafte Entwürfe aus. Es geht in Gaustadt nicht allein um eine barrierefreie Mietwohnanlage mit Gemeinschaftshaus.

In Zusammenarbeit mit dem Caritasverband für die Stadt Bamberg, mit Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde Gaustadt sowie mit Mitgliedern aus örtlichen Vereinen hat die Joseph-Stiftung zudem ein Betreuungskonzept für die künftigen Mieter entwickelt auf Basis von: „In der Heimat wohnen – ein Leben lang! Sicher und selbstbestimmt.“ Zentraler Punkt ist ein generationenübergreifender Ansatz. Neben älteren Menschen sollen hier auch Familien, Alleinerziehende sowie Menschen mit Behinderung ein Zuhause finden, das Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Preisen ermöglicht. Das Wohnmodell für Menschen jeden Alters und Hilfebedarfs stieß auf überwältigende Nachfrage, so dass bereits zum Richtfest im Juni 2008 alle Wohnungen vergeben waren. Nach fast eineinhalb Jahren Bauzeit konnte nun in freudiger Erwartung der Einzug erfolgen.

Weitgespanntes Netz

Der persönliche Kontakt zu und unter den Hausbewohnern wurde schon frühzeitig geknüpft. „Regelmäßige Treffen zwischen Sozialarbeitern der Caritas, Vertretern der Joseph-Stiftung und den künftigen Mietern haben den Grundstein für ein Miteinander gelegt und zur Entstehung einer echten Gemeinschaft beigetragen“, berichtet Hannelore Bils-Klinker, Kundenbetreuerin der Joseph-Stiftung. Um diese Verbundenheit auch künftig aufrechtzuerhalten und weiter wachsen zu lassen, würden regelmäßig Treffen stattfinden. Nur so könne ein weitgespanntes Netz entstehen, das die Privatsphäre der Bewohner wahrt und zugleich Raum für gemeinschaftliche Aktivitäten schafft. Alleine sein: Ja! – Ungewollte Einsamkeit: Nein!

Das Gemeinschaftshaus der Anlage bietet neben Mittagstisch auch vielfältige Möglichkeiten zur kollektiven Freizeitgestaltung. Je nach Lust und Laune können hier Spielnachmittage veranstaltet, Lesungen besucht oder kreative Arbeiten durchgeführt werden. In den Abendstunden können die Tage durch besinnliche Andachten ausklingen. Als Ort der Begegnung stehen die Räumlichkeiten nicht nur den Bewohnern, sondern auch Gästen von außerhalb zur Verfügung. Im sich ebenfalls dort befindlichen Stützpunkt der Caritas-Sozialstation werden individuell und bedarfsgerecht professionelle Dienste und ambulante Pflege sowie hauswirtschaftliche Hilfen koordiniert. Es werden keine pauschalen Betreuungsgebühren, sondern nur tatsächlich in Anspruch genommene Leistungen verrechnet. All dies geht jedoch nicht ohne ausreichende ehrenamtliche Unterstützung. Gemäß dem Motto „Einer für alle, alle für einen“ helfen sich die Mieter gegenseitig so gut sie können. Aber auch deren Angehörige, die Einwohner Gaustadts sowie die örtlichen Vereine und Institutionen tragen zu einem vollständigen Angenommensein bei. Zusätzlich können noch Leistungen von SOPHIA (Soziale Personenbetreuung – Hilfen im Alltag), die ebenfalls in Bamberg von der Joseph-Stiftung entwickelt wurde und inzwischen bundesweit verbreitet ist, in Anspruch genommen werden.

„Gute Seele vor Ort“

Die Mieter sind begeistert: „Wir sind froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind.“ Ebenso ist in jüngster Zeit oft zu hören gewesen: „Wir fühlen uns jetzt sicher und aufgehoben.“ Eine der Mieterinnen, eine junge 30-jährige Frau, die seit einem Unfall an den Rollstuhl gebunden ist, hat durch WAL nicht nur eine ihren Bedürfnissen gerechte Wohnung gefunden, sondern auch einen neuen Arbeitsplatz. Bereits seit Herbst 2008 steuert die studierte Theologin und Psychologin für den Caritasverband Bamberg die Aktivitäten am Stützpunkt im Gemeinschaftshaus. Als „gute Seele vor Ort“ hat sie für jeden ein offenes Ohr, der mit einem Anliegen an sie herantritt.

Wichtige Baudaten auf einen Blick:

Zahl der Wohnungen: 29
Wohnungsgemenge: 21 x 2 Zimmer, 7 x 3 Zimmer, 1 x 4 Zimmer
Wohnfläche je Wohnungen: zwischen 50 und 85 m²
bautechnische Besonderheiten: barrierefrei, energieeffizient
Bauzeit: Dezember 2007 bis April 2009
Kosten: ca. 3,6 Mio. €;  gefördert mit Mitteln des Freistaats Bayern in Höhe von 888.000 €